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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Harro Harrings Bieler Rede

 

Inhaltschwere Worte eines Polen, gesprochen am Freischiessen zu Biel, Ende Mai 1833

Die Polen in Pruntrut sandten eine Deputation von drei Mitgliedern zur Begrüssung des versammelten Schweizervolkes. Es waren die Herren Stolzmann, Klimkiewiez und Kazimirowicz. Auf Veranlassung einer Rede des Herrrn Mottet von Murten, worin derselbe das edle Benehmen der Berner Regierung gegen die Polen ins Licht stellte und nach Würde lobte, nahm der Pole Kazimirowicz das Wort und hielt in deutscher Sprache mit sehr bewegter Stimme folgende Rede:

"Es ist mir von meinen Genossen und Brüdern der Auftrag geworden, unsern innigen Dank auszusprechen für die Theilnahme und Gastfreundschaft, welche wir seither in der Schweiz geniessen.
Es wird mir schwer werden, diesen Auftrag zu erfüllen, denn ich rede in diesem Augenblick zum ersten Mal in meinem Leben öffentlich in deutscher Sprache, und mein Inneres ist durch vielfache Berührung zu sehr ergriffen und bewegt, als dass ich Worte finden könnte für mein schmerzliches Gefühl. Ich bitte daher um Ihre schonende Nachsicht.

Die Gründe und die Veranlassung unsers Kampfes um Freiheit und Unabhängigkeit, der mit dem Erwachen aller Völker vor drittehalb Jahren begann, können hier nicht ausführlich berührt werden; sie liegen im Schosse der Vergangenheit, als Eigenthum der Geschichte, wenn sie auch seither noch nicht gehörig verstanden und selten richtig aufgefasst worden.

Wir begannen den Kampf unterm namenlosen Druck des Despotismus, der asiatischen Willkühr, die ganz Europa bedrohte und jetzt noch um so mehr bedroht, nachdem unser Kampf unterbrochen, unsere Kraft beschränkt und gefesselt worden. Aber wir kämpften nicht etwa nur allein um unsere Freiheit, für unsere Ehre; es war die Sache der ganzen Menschheit, welche wir vertraten, und ein einseitiger Nationalegoismus in unserm Beharren lag ferne von uns.

Wir unterlagen - und suchten ein Asyl in Frankreich - in Frankreich, bei dem Volke, das durch mannigfache Ereignisse uns als Verwandte anerkannt hatte. Was uns von dem französischen Volke als Theilnahme und Gastfreundschaft dargeboten worden, werden wir nie verkennen. Aber wir fanden das französische Gouvernement zu einer russischen Gendarmerie herabgesunken (lautes Bravo!) und tägliche Beschränkung unserer persönlichen Freiheit, drückende Verletzung unserer Nationalehre nöthigten uns, Frankreich zu verlassen, und wir suchten nun bei Helvetiens Söhnen in der freien Schweiz ein freieres Asyl.

Nehmen Sie Rücksicht auf unsere Lage, auf die schmerzlichen, heftigen Empfindungen, welche meine Worte hemmen, wenn ich die Gefühle des Dankes hier nicht auszusprechen vermag, die Gefühle, welche im Herzen aller Polen durch die Schweizer erweckt wurden! Wir danken hiermit nicht nur den edlen Eidgenossen im Lande Bern, sondern allen Schweizern, allen Eidgenossen für die Teilnahme und für das hochsinnige Wohlwollen, welches wir in der Schweiz gefunden.

Aber mit Trauer muss ich hier berühren, auch in der Schweiz ist die persönliche Freiheit verschwunden; denn gar mancher biedere Schweizer in benachbarten Kantonen, der uns so gerne ebenfalls ein Asyl einräumte, ist persönlich nicht frei und darf seinem edelmüthigen Willen nicht Folge leisten - unter dem Einfluss und unter der Aufsicht der Heiligen Allianz! (Unterbrechung durch ein lautes Bravo!)

Darum schätzen wir nicht weniger die Theilnahme der hochsinnigen Schweizer in den für uns verschlossenen Kantonen, und danken also hiermit nochmals allen Schweizern, allen Eidgenossen für ihre gastfreundliche Bruderliebe.

Wir haben eine heilige Schuld auf uns genommen. Sie wird nie vergessen, sie wird gewiss einst abgetragen werden - und sei es auch mit unserm Blute. - Denn, was auch die Zukunft bringen wird, wir erkennen aus dem gegenwärtigen Zustande der Dinge in Europa, dass es so nicht bleiben und bestehen kann, der unterbrochene Kampf für Freiheit und Recht wird fortgesetzt werden; des sind wir gewiss.

Und wir, die wir einst nicht für unser Vaterland allein kämpften, sondern als Vorhort aller Völker, wir werden auch jetzt die Ersten seyn, welche freudig ihre Brust den Waffen der Feinde darbieten, zur Freiheit und zur Ehre der Menschheit!"

Veröffentlicht am 6. Juni 1833 im "Berner Volksfreund", Nr. 45.


AutorIn: Berner Volksfreund
 
 
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